Österreich - Land der Hobbits

{1}June 27th, 2006

Heute ist eine Studie über das Selbstbild der Österreicher veröffentlicht. Auf die Frage: “Zu welchen dieser Gruppen würden sich selber sehen?” habe die meisten (40-45% der Befragten) folgendes angegeben:

Ordnungsliebende 45%, Häusliche Menschen 45%, Menschen die viel Wert auf Sicherheit legen 41%, Umweltbewusste 39%, Heimatverbundene, etc…

Also Menschen, die es ordentlich und sicher haben möchten, und sich am liebsten in einer wunderschönen romantischen Heimatsidylle aufhalten.
Nach diesem Ergebnis ist es auch kein Wunder, dass fast 80% der Bevölkerung sich ein Einfamilienhaus (am besten das Fertigteiltraumhaus) wünscht. Somit wird auch urbanes fortschrittliches Denken über die Architektur hier in unserem Auenland als unmöglich betrachtet.

Writing about architecture

{1}June 10th, 2006

Über die Architektur kann man auf zwei Arten schreiben. Die erste um die sich die Architekturrezensenten bemühen ist oft erzwungen und fast immer zur Gänze langweilig. Die meisten Schreiberlinge haben Architektur studiert und danach ganz einfach in der Architekturpraxis keinen Erfolg gehabt. Sie durchkauen Erfahrung die ein anderer gemacht hat, und mit wenigen Ausnahmen bleiben sie bei den Banalitäten und Falschinterpretationen stecken. Nun, trotzdem sind die wichtig weil sie zu einem gesamten Produktionszyklus gehören und decken einen Bereich um den sich der eigentliche Produzent, der Architekt, nicht kümmern kann. Es gibt ganz wenige gute Architekten die gut über Architektur schreiben. Der meisten sind sogar der Ansicht das die Arbeit, der geschaffene Raum, für sich sprechen sollte. Ich auch. Das ist leider eine falsche Annahme, denn dies funktioniert bei sehr einfachen Dingen – jeder versteht eine Box, und die Möglichkeit die Wände verschieden zu färben. Sobald es um sehr komplexe Dinge geht steigen sogar “Experten” aus.
Die andere Art zu schreiben ist eine unbewusste. Ich meine über die Architektur zu schreiben ohne es zu merken. Dies geht eigentlich ganz einfach, denn wir haben täglich mit Räumen die wir Bewohnen/Benutzen zu tun. Da das eine Selbstverständlichkeit ist machen uns wir keine Gedanke darüber.
In einem Artikel in dem wirtschaftlichen Teil der Zeitung “Die Zeit” habe ich über die Ärzte gelesen, die sich zum Unterschied zur Momentanen Lage in Deutschland, in einem Polikum als Angestellte sehr wohl fühlen. Eigentlich ein Konzept aus der DDR macht es möglich, dass man sich effizient Räume, Geräte, Administration, etc. teilt und sich so auf die Arbeit konzentriert, ohne mit anderen Kollegen zu konkurrieren. Eigentlich sind mir die Ärzte in Deutschland egal. Was mich interessiert hat war folgender Absatz:

Die Wartezimmer sind nüchtern und klein, die Patienten müssen ohnehin nicht lange warten. Jedes Sprechzimmer ist nur 16 Quadratmeter groß: ein geschwungener Tisch, eine Untersuchungsliege, ein Waschbecken, die Wände schmucklos weiß. ‘Ein Mitarbeiter hat nach Orange gefragt’, sagt Susanne Schwarz, ‘aber das passt nicht in das Konzept. Jedes Sprechzimmer wird maximal genutzt und sollte deshalb auch für die andere Kollegenakzeptabel sein.’

Nun das ist eine Schreibe über Architektur wo ganz klar zu lesen ist, dass es sich auch architektonisch über ein Konzept aus der DDR Zeiten handelt. Sogar die Bauherren der Privatpraxen fordern das selbe Konzept: klar und nüchtern, mit ein Paar Akzenten – teuere Materialien, Ledercouch, rotes Annahmepult, dezentes kühles Licht. Vermittelt wird Seriosität und schnelle Abfertigung der Patienten. Zeit ist Geld, soll sich bloß keiner länger da aufhalten oder sogar wohlfühlen. Je kürzer man bei einem Arzt ist wird man ja auch schneller Gesund. Von einem räumlichen Erlebnis ganz zu schweigen.
“Die Zeit” lobt dieses Konzept und natürlich unterschwellig auch die entsprechende Architektur des Polikums. Ärzte sind an und für sich gute Kunden, denn sie haben Geld und investieren auch eine Menge in ihre Praxis. Bloß die funktionellen und formalen Forderungen die sie haben machen jeden guten Architekten, und auch Patienten denke ich, ganz schön krank. Denn bei einem Arzt- Krankenhausbesuch leidet auch die Psyche – nicht nur der Körper.

So ein Glück

{1}April 17th, 2006

Ich war eine Woche in Japan, minus 2 Tage die wir im Flugzeug verbracht haben. Das erste mal. Und ich habe keine Architekturfotos gemacht. Weder neue noch alte Häuser mit meiner neuen Nikon D70s, die ich heiß liebe, verewigt. Keine Dokumente von “minimal housing”, oder Werbeschildermeer, oder alten Tempeln. Ein einziges Foto von der Einkaufstrasse in Kumamoto, wobei meine Schwester danach beim betrachten sagte: “Genau so stelle ich mir Japan vor.”
Die Konferenz, weswegen wir dort geflogen sind, war sehr erfolgreich. Japaner waren hervorragende Gasteber. Aber, sie zeigten uns voller Stolz ihre Burg, die mitten in der Stadt hockte. Und dabei war die nicht einmal alt, sondern sie haben es geschafft ein völlig zerstörtes Schloss naturgetreu wieder 1:1 aufzubauen. Zwar nach jahrelangen Studium der original Pläne, aber diesmal aus Stahlbeton. So kann sie nicht wieder einstürzen. Da hörte ich auf Architektur Japans zu fotografieren.
Die alten Sachen sahen aus wie in den Büchern oder Filmen die wir alle schon kennen, und die neuen waren eher müde und manchmal verrückt verspielte Versionen des westlichen Modernismus. Zum gähnen. Und dann ein wenig noch Holzbaukunst (Japan war mal berühmt dafür), verpackt in langweilige, jedoch perfekt ausgeführte, Boxen – als direkt Import aus Vorarlberg.
Ich bin draufgekommen, dass Japaner Jahrhunderte brauchen um Eigenständigkeit von den Dingen zu entwickeln, z.B. ein Stein sorgfältig auf den anderen zu legen. Wer kann es erraten, welcher Teil der Mauer der neue ist und welcher der alte?
Mauer
Mit der westlichen Geschwindigkeit und Oberflächlichkeit kommen sie nicht zu recht. Alles was sie in ihrer immer noch riesigen Neugier übernehmen und in Japan implantieren wirkt sehr unbeholfen und lächerlich. Und ich meine nicht nur Architektur, sondern auch Mode und viele andere Bereiche. Natürlich haben sie Tadao Ando und andere Meister des Sichtbetons, mit ihren einfachen und perfekt klaren Formen. Aber, auch das ist nicht wirklich authentisch, obwohl ich diese Architektur bewundere, denn die Welt besteht nicht aus 1 und 0, besonders die asiatische nicht.
Deshalb machte ich sehr viele Fotos von den glücklichen Leuten die unter Kirschbäumen saßen. Auf ihren uniformen blauen Plastikplanen ein Stück öffentliche Fläche markierten und einfach glücklich waren. So viel kollektiv Freude in so einer Dichte habe ich nirgendwo bis jetzt erlebt. Diese positive Energie und Begeisterung über ein Neubeginn kann man ja kaum dokumentieren, die muss man erlebt haben.

Kein zweites mal

{1}April 16th, 2006

Der Standard schreibt:

Rund 120 unterschiedliche Kunstprojekte sind für das Kulturhauptstadt-Jahr geplant (Anm. Linz 2009). Und fest steht: Linz darf nur kein zweites Graz werden.

Österreich hat nun mal eine schlechte Presse. Was soll man da machen, ist nicht zum lesen. Der Standard ist vielleicht ein Lichtblick, aber selbst diese Schreibe ist entweder von diversen anderen Quellen zusammenkopiert oder wie bei den anderen Blättern generell zum Kotzen. Ich meine, wenn ich bloß Nachrichten will, dann gibt es ja genug Portale im Internet wo ich nachlesen kann wer gewählt und wer abgewählt wird. Oder sonst was. Aber wenn sie schon kritische intelligente Texte im Feuilleton (Standard nennt es Album) drucken wollen, dann müssen die auch von den Leuten geschrieben werden die etwas zu sagen haben und nicht nur Dinge nachplappern, um sich die Gunst der Redakteure zu sichern.
Aber, das Problem liegt im kleinbürgerlichen Wien, welches sich als Großstadt, oder sogar als Metropole verstehen will. Die Schreiberlinge sollen sich nun mal informieren was man alles innerhalb eines Jahres in Graz auf die Beine gestellt hat. Dafür bräuchte Wien Jahrhunderte, wenn überhaupt. Außer Ringstrasse ist aus Wien architektonisches so wie gar nichts bedeutendes rausgekommen (mal abgesehen von Coop Himmelblau). Selbst in der K&K Zeit war Budapest die eigentliche Hauptstadt. Und jedes mal wenn sie versucht haben architektonische Avantgarde zu spielen wirkte es nur noch lächerlich. Das allerdings produziert Komplexe – nicht eine Freudsche Armee könnte da aushelfen.
Der Standard schreibt sehr viel über Architektur. Leider. Denn der Chefredakteur ließ sich ein Haus von Adolf Krischanitz bauen, den selben Architekten der uns in Graz mit dem Steirerhof am Jakominiplatz verunglückte. So viel zum Verständnis von der Architektur in dieser Redaktion.
Nein, Linz wird nicht ein zweites Graz werden. Selbst wenn es wollte, kann es nicht. Wien versucht es ja immer wieder (ich spreche hier von der Architektur), dann in einer völlig unverständlichen Dummenweise scheitert, um sich dann über Graz jedes Mal, sobald eine Chance da ist, zu brüskieren.
Logische Konsequenz wäre Standard Abo zu stornieren, aber was dann? Manchmal hätte ich gerne das Papier in der Hand zu meinem morgigen Kaffe. Oder soll ich täglich die Nachrichten von vorgestern aus der TAZ lesen?

Cherryblossom

{1}April 5th, 2006

I have been to Japan for a week. At the time of cherryblossom.
Cherryblossom in Kumamoto
Das ist dort ein Symbol für Glück und Neubeginn. Für kurze Zeit wird eine streng hierarchische Gesellschaft von einer horizontalen Gleichheit geprägt, die sich im Parks an blauen Matten ausbreitet. Faszinierende Leute – die Japaner.

This year will be better

{1}March 28th, 2006

For no reason I have stopped my blog on October 11th last year. Maybe the enthusiasm was over as I have finally realized that last year sucked so much.
I mean it was totally successful in terms of ORTLOS book came out finally and my son Oskar was born, but in professional way our practice suffered a lot, since we tried to go into building business big time by doing 3 single-family houses ?!
Well, that is the problem with architects – at the end they want to put something in the landscape, and to prove the society not being totally useless. But it is a trap. A good one, I have to admit, then it showed us clearly that our way (ORTLOS path) is another one, so we have to be patient for a couple of more years.
Therefore we are more hopeful for 2006, by hoping nothing at all – just concentrating on developing the theories and basis for new strategies in dealing with spatial issues, until they are ready.

Kleine Interventionen

{1}October 11th, 2005

Die kleinen Interventionen in urbanem Raum aus der architektonisch-künstlerischen Praxis sind eine Falle. In welche unzählige junge kreative Menschen zB. in Berlin getappt sind, während von ihrer Nase das “neue Berlin” entstand. Das neue hätte sich Albert Speer nicht besser ausgedacht. Ob Potsdamerplatz, Friedrichstrasse oder Pläne für den Alexanderplatz, Millionen, Milliarden von Euros wurden verpullvert für die Verherrlichung von altem Bestand, aber mit Marmor und teueren Fassaden umhüllt.
Die jungen kleinen Büros dürften, natürlich beflügelt durch ihre politisch-soziale Verantwortung, dürften in öffentlichen Raum ein wenig intervenieren. Dabei entstehen low-budget Projekte aber oft mit fein durchdachten Einfällen. Mehr ist nicht drinnen. Die Rahmenbedinungen erlauben nur spontane und leicht umsetzbare Eingriffe, die am Ende niemanden interessieren. Noch schlimmer, man gewöhnt sie an eine Arbeitsmethode dessen Produkte mehr oder minder gelungenen “Schnellschüsse” sind.
Daselbe passiert jungen Büros mit der Plannung von Einfamilienhäusern. In fast 90% der Fälle eine finanzielle Katastrophe, wo man absurderweise draufzahlen muss um das Ganze durchzustehen. Reine Beschäftigungstherapie und ein wenig Stolz zumindest etwas realisiert zu haben.
Also Finger weg von den kleinen Interventionen, egal ob öffentlicher oder privater Natur.

Der Traum

{1}September 13th, 2005

Vor ein paar Wochen erschien in der Zeit, unter Wirtschaft -> Globalisierung, ein Artikel mit dem Titel “István hat jetzt Martins Job”. Grundsätzlich geht es darum dass der Computerkonzern IBM beschlossen hat, mehrere hundert Arbeitsplätze von Deutschland (Schweinfurt) nach Ungarn (Székesfehérvár) zu verlagern. Kurz: “...gestern Deutschland, heute Ungarn, morgen Indien: Wie der Computerkonzern IBM trotz Rekordgewinns tausende Arbeitsplätze verschiebt.”
Eigentlich völlig belanglos – ich weiss nicht wie oft ich solche Texte schon gelesen habe. Aber dann haben mich einige Zeilen besonders neugierig gemacht. Die Stelle wo Martin Kinkelin, der betroffene IT Experte, folgendes schieldert: “Ich habe mich hier immer sicher gefühlt. ” Vor fünf Jahren hat er mit seiner Frau ein Grundstück gekauft, auf dem Land. Sie haben einen Kredit aufgenommen, ein hübsches Haus gebaut, die Außenwände mit Holz verkleidet, vor der Tür einen kleinen Teich angelegt. »Das ist wie im Paradies«, sagt Martin Kinkelin.
Auf dem Photo steht Martin stoltz mit seiner Tochter vorm Haus, aus der Frosch perspektive porträtiert.
Nun, in Wirklichkeit ist Martins Haus eine schrekliche grüne (die Farbe der Bretter) Scheune mit stupiden Pultdach irgendwo in der nähe von Schweinfurt. Als Immobilie ist sie nichts wert, denn eine Holzverschallung und der Teich machen noch lange kein tolles Haus aus. Jetzt steht er blöd da, der Martin. Ohne Job, mit Kredit, und mit dem Traumhaus am Hals welches er nicht loswerden kann, denn Deutschland ist voll davon (letzens war ich in Stuttgart – es ist ja schlimmer als in LA).
Meine Empfehlung als Architekt: Wünscht euch kein Einfamilienhaus heutzutage. Es ist eine gemeingefährliche Falle. Eine Illusion. Und selbst wenn 80% der Menschen in Östterreich das als Ziel haben (bekannte Statistik), sind es eben verlorene Seelen, die so wie der Martin enden werden.

Warum Sonntag?

{1}September 11th, 2005

Warum müssen die Architekten sonntags arbeiten? Ist es weil die Woche zu kurz ist und es ist nicht schlecht wenn man eine Menge im Vorfeld vorbereitet und erledigt? Ist es weil man eigentlich nicht aufhören kann und ständig neue Einfälle hat, was noch tun könnte? Ist es weil die Bauherren erwarten dass man auch am Wochenende für sie da ist und sie sowieso nur am Wochenende die Zeit haben? Oder ist es deswegen weil man die Ruhe hat? Keine Anrufe, keine Besprechungen und sonstige Termine, nur die reine konzentrierte produktive Arbeit, die unter der Woche im alltag so nicht möglich ist.

Ortsende von Ortlos

{1}September 10th, 2005

Martin Krusche net.literat und einer der dienstältersten Blogger den ich kenne hat dieses Foto in unserem Atelier gemacht.

ortsende von ortlos

Die Idee mit dem Ortsschield “Ortsende von Ortlos” ist auf der train_list entstanden (eine Mailingliste für sein Projekt “Cyber Train”). So etwas löst Diskussionen aus: wenn der Ort “Ortlos” ist, was ist dannach? Wenn eben der ortlose Ort aufhört. Eine Idee war nach dem Schild eine Linie zu zeichen und zu schreiben: “No representation beyond this line”.
Ortlosigkeit bedeutet nicht das es keine Orte mehr gibt, sondern das “kein Ort auf seiner Stelle” ist, also Entortung. Was dannach kommt wissen wir nicht, bzw. ist noch offen.